Beziehungs-Frust statt Liebes-Lust

12. Januar 2017
Die Liebe lockt mit dem süßen Versprechen der Erlösung. „Komm nach Hause!“, säuselt sie mit Engelszungen und erweckt die wohl brennendste aller menschlichen Sehnsüchte - sich in ihr verlieren zu dürfen. Kein Wunder also, dass das Geschäft mit diesem Mysterium boomt. Nichts interessiert das sentimentale, einsame Single-Herz so sehr wie Liebesgeschichten und Heiratssachen. Kitschige Seifenopern werden Mittel zur Befriedigung unerfüllter Wunschträume und machen das Warten auf den tapferen Prinzen/ die wunderschöne Prinzessin etwas erträglicher. Singlebörsen, Beziehungsratgeber und Tipps wie man den verschollenen Seelenpartner endlich findet sind gefragt wie eh und jeh, doch leider lässt sich Liebe nicht kaufen und nicht überall wo Liebe draufsteht ist auch wirklich Liebe drinnen.
Ungeduldig zählt der Liebes-Suchende also die Tage und taucht tief ein in das Dating-Business, das schon fast an Fließband-Arbeit erinnert („NEXT“). Ein hungriges Herz gibt die Hoffnung allerdings nicht auf den geliebten Seelenpartner doch noch auf Tinder oder eDarling zu finden und wischt emsig weiter über den Touch-Screen des Smartphones. Die Liebe auf den ersten Klick, birgt dann meist soviel Tiefgang wie das oberflächliche Auswahlverfahren, das den narzisstischen Selfie-Visagen zumindest einen schnellen Booty-Call beschert. Das inszenierte aneinander Reiben der Genitalien verschafft nur eine temporäre Befriedigung, es kommt zu einer einstudierten Performance wie in einem Porno-Film, die der eigentlichen Schönheit der menschlichen Sexualität niemals gerecht werden kann. Abgespalten von den eigenen Emotionen ist der lieblose Liebes-Akt für viele ein häufig praktizierter Verrat am Selbst, nur ein Mittel um Bestätigung zu erlangen und um der gähnenden Leere für einen Augenblick zu entfliehen. Ein Substitutionsmittel, das noch lange kein Ersatz für Liebe, Intimität und die Verbindung ist, nach der sich der Suchende so sehnt.