Beziehungs-Frust statt Liebes-Lust Teil 3

12. Januar 2017
So jetzt aber genug der schönen Worte und nochmal ganz langsam. Wie genau funktioniert dieses seltsame Spiel?
Beziehungen sind ohne Zweifel der wohl schonungsloseste als auch lehrreichste Spiegel unserer unterbewussten Verletzungen und Schatten-Themen. Neben biologischen evolutionsbedingten Theorien die erklären sollen warum wir Anziehung für gewisse Menschen verspüren, stehen in der Psychologie Modelle im Vordergrund die annehmen, dass wir unbewusst die Partner wählen, die uns Aspekte des gegengeschlechtlichen Elternteils und unsere Bindung zu diesem reflektieren. Auch die Interaktion und der Umgang unserer Eltern miteinander dient als Vorbildfunktion für kommende Beziehungen. Der Tiefenpsychologe John Bowlby erklärt anhand seiner Bindungstheorie, wie diese frühen Erfahrungen in Form von inneren Arbeitsmodellen abgespeichert werden, die sich später auf unsere Liebes und Paarbeziehungen übertragen. Grob unterscheidet man sicher gebundene Kinder von unsicher gebundenen Kindern. Während erstere ihre Bezugspersonen verlässlich, liebevoll und unterstützend erlebten und des Weiteren auch in ihren Paarbeziehungen keine Probleme damit haben Nähe zuzulassen und eine harmonische Verbindung mit ihren Partnern herzustellen, erlebten unsicher gebundene Kinder schon früh Enttäuschungen, Grenzüberschreitungen und Verletzungen in Beziehungen, welche sich auch durch den späteren Beziehungs-Garten ziehen.
Die Beziehungsmuster aus unserer Kindheit wiederholen sich demnach so lange bis wir sie erkennen und gezielt verändern wollen indem wir uns etwa neue Beziehungs-Vorbilder suchen und diese ganz bewusst trainieren. Gar keine leichte Aufgabe wenn man bedenkt, dass insbesondere die ersten 3 Lebensjahre prägend sind für unser Bindungsverhalten und sich Menschen an diese nicht bewusst erinnern können. Die Welt wird gefühlt bevor sie gesehen und beschrieben werden kann und unser Unterbewusstsein ist gezeichnet von diesen Gefühlen und Empfindungen.
Wie hat sich das Zuhause deiner Kindheit für dich angefühlt? Bitte beantworte diese Frage ehrlich, denn sie ist ein guter Indikator dafür, wie du dich in deinen späteren Liebesbeziehungen gefühlt hast. War dein Zuhause erfüllt von Liebe, Sicherheit und Geborgenheit? Pflegten deine Eltern einen harmonischen Umgang miteinander und waren erfüllt von Leidenschaft und Liebe? Hast du dich gesehen und gehört gefühlt?
Ja?
Na dann bist du ein echter Glückspilz und musst diesen Artikel gar nicht mehr zu Ende lesen, da deine Beziehungen ohnehin wunderschön sein dürften. Doch wie hat sich das Zuhause für die weniger Privilegierten unter uns angefühlt? Bedrohlich? Einengend? Unsicher? Lieblos? Gewaltvoll?
Ja?