Liebe vs Verliebtheit

20. August 2020

Liebe als Verliebtheit auf Dauer: Dies ist das heutige Verständnis der Liebe zwischen Frau und Mann. C. G. Jung, einer der frühesten Psychologen, postulierte beispielsweise, dass in der Verliebtheit ein eigenes Idealbild auf das Gegenüber projiziert wird. Der Begriff Verliebtheit ist in der Psychologie und speziell in der Psychotherapie oft negativ behaftet, da TherapeutInnen ihre KlientInnen selten in der Phase der Verliebtheit antreffen, sondern eher dann wenn sich diese Verliebtheit einer Krise gewichen ist. Im Alltag hört man oft Floskeln wie: „Er/Sie ist vor Liebe blind“ oder „Ich schwebe auf Wolke 7“, ein Zustand den auch die moderne Psychologie keineswegs unbeachtet lässt. Vielmals ist man zu Beginn einer Liebesbeziehung nahezu verblendet. Jedoch vergeht diese kurze Phase der Verliebtheit oft sehr schnell und endet entweder in Liebe oder in Krise. PsychologInnen betrachten die Verliebtheit als intensives Verlangen nach einer anderen Person (vgl. Willi: 1991, S.40ff.). Jürgen Voigt, ein Berliner Psychologe beschreibt das Gefühl der Verliebtheit folgendermaßen:

„‚Verliebt sein‘ umschreibt das wunderbare Gefühl, das uns durchflutet, gepaart mit Schmetterlingen im Bauch, Lebensfreude, Übermut und Überschwänglichkeit. Man ist dem Gefühl ‚Glück‘ ganz nah und trägt eine ‚rosarote Brille‘, die zumindest in der Phantasie alles möglich werden lässt, uns unendlich zuversichtlich macht, uns manchmal bedingungslos fühlen lässt - und alles Ungute vergessen lässt.“

Natürlich ist dies keine allgemein gültige Formel für alle Menschen auf der Welt, sondern mehr eine Richtungsweisung. Verschiedene Menschen sind verschieden und deswegen nehmen sie Liebe auch unterschiedlich wahr. Dabei gibt es auch viele Gemeinsamkeiten zwischen Liebe und Verliebtheit, wie beispielsweise die starke Zuneigung zueinander. Während viele Menschen aus Verliebtheit mit der Zeit Liebe entwickeln, endet die Liebe für Viele auch in dem Moment in dem sie mit dem Alltag kollidiert. Es gibt kein allgemein gültiges Rezept für eine langanhaltende und glückliche Beziehung, jedoch tragen kleine Gesten und verständnisvolles Miteinander durchaus dazu bei, dass eine überdauernde Partnerschaft ermöglicht wird. Liebe schließt grundsätzlich Risiko ein. Der Gedanke daran sein ganzes Leben mit ein und derselben Person zu verbringen, kann erschreckend und gleichzeitig wunderschön sein. Viele PhilosophInnen und ganze Religionen haben sich mit der Liebe befasst. Verliebtheit ist nicht alltagstauglich, Liebe jedoch schon. Die Liebeshormone, die der Körper oftmals zu Beginn einer Liebesbeziehung ausschüttet, werden immer weniger und die sogenannte „rosarote Brille“ verliert ihre Wirkungskraft. Es kommt zu einem funktionellen Nebeneinander, welches die Gefahr des Auseinanderlebens des Liebespaares birgt. Dann ist es wichtig die Liebe zu pflegen. Dies ist ein bewusster Akt. Erneut geht es dabei um eine gewisse Empathie, die dem anderen gegenüber gebracht werden muss, sowie eine gesunde und offene Kommunikation miteinander. Liebe ist ein wertvolles Gefühl und man sollte sie keineswegs als selbstverständlich hinnehmen, sondern gemeinsam bewusst an ihr arbeiten und sie genießen.