Liebling wir haben ein Monster erschaffen! Teil 3

22. Februar 2017
In der heutigen Leistungsgesellschaft, agieren viele Kinder als Marionetten ihrer Eltern, um zu gefallen, um Ablehnung zu vermeiden, um Zugehörigkeit zu erfahren haben sie gelernt zu gehorchen. Lob wird gezielt als Mittel der Manipulation eingesetzt, eine Erziehungsmethode, die effektiv ist, jedoch Abhängigkeit erzeugt und süchtig macht. Durch die Bestätigung anderer wird das Kind definiert, lernt jedoch nicht der eigenen Stimme zu folgen und sich selbst in seiner Ganzheit anzunehmen und zu akzeptieren. Auf Erfolg getrimmt wie herausgeputzte Welpen auf einer Hundemesse, kompensieren viele Eltern ihre eigenen Minderwertigkeitskomplexe dadurch, dass sie ihre Kinder vorführen und zur Schau stellen. Der zwei Mann-Fan-Club (Mami und Papi) singt in der ersten Reihe Parolen und Jubels-Lieder und implantiert dem Kind ein Gedankengerüst, performen und parieren zu müssen, um ihrer Liebe würdig zu sein. Bedingungslos geliebt zu werden, mit allen Emotionen und Persönlichkeitsfacetten, ist ein kostbares Geschenk, das nur sehr wenige Eltern ihren Kindern mit auf den Weg geben können. Viele sind zu beeinflusst von den Gesellschaftlichen-Normen und Werte-Tabellen, geblendet von dem Zahnpasta-Lächeln einer typischen Werbe-Vorzeige-Familie, empfinden sie tiefe Scham eine derartige Schein-Perfektion nicht an den Tag legen zu können. Solche Eltern versorgen ihre Kinder dann mit einem ZUVIEL an Materiellem während ideelle Ebenen schwer vernachlässigt bleiben. Die Kinder verkümmern innerlich regelrecht wie Pflanzen denen Licht verwehrt wird. Sie erkälten, denn warmgehalten werden sie nicht. Es scheint erstrebenswert sich selbst zu verraten und nicht authentisch zu sein, denn:“ Oh, was würden denn die Nachbarn denken?“ Es wird uns beigebracht unsere Gefühle hinunter zu schlucken, Autoritäten mit einem unterwürfigen Lächeln auf dem Gesicht in den Arsch zu kriechen, zu parieren, zu gehorchen, zu funktionieren. Bis vor wenigen Jahrzehnten noch galt es als Volksweisheit, Neugeborene ausschreien zu lassen bis sie vor Erschöpfung in sich zusammen sinken, da sie sonst zu verwöhnt würden und keine starken Lungen entwickeln könnten. Diese emotionale Verhärtung, Verkrüppelung der mütterlichen Instinkte, Entmenschlichung wird in Arno Grüns Buch „der Verrat am Selbst“ ausführlich beschrieben. Laut der Entwicklungspsychologin Laura E. Berk (2005) besteht das Selbst aus dem Wissen und Gefühlen des Kindes über sich selbst und der persönlichen Überzeugung selbstwirksam handeln zu können. Neugeborene verfügen bereits über eine erstaunliche rudimentäre Intelligenz und sind alles andere als passive, fremdbestimmte Wesen. Sie sind stets bemüht, den Kontakt zu ihren primären Bezugspersonen herzustellen, da sie dieser Affektaustausch nährt und am Leben hält. Misslingt es den Eltern angemessen auf ihre Kinder einzugehen und auf sie zu reagieren, kann von einer negativen Spiegelung gesprochen werden, die zu einer Unterbrechung der Bindungskontinuität führen kann und des weiteren einen Urwiderstand (primär narzisstische Isolation) im Säugling erzeugt um seine Todesängste abzuwehren (Jakel, 2008). Durch die Dysfunktionalität der mütterlichen Symbiose lernt er schon in seinen ersten Lebenstagen dem eigenen Umfeld und insbesondere sich selbst nicht mehr zu vertrauen. Bald unterliegt er den sozial erwünschten Strukturen um zu überleben, doch wird er fortan danach streben, die eigene Hilflosigkeit nie wieder spüren zu müssen. Sein Unterbewusstsein wird von nun an geprägt sein von diesem gravierenden Trauma, einem schwarzen Loch, dem er nur durch die Ideologie des Herrschens entfliehen kann. Arno Grün konstatiert, dass es zwei Möglichkeiten der menschlichen Entwicklung, nämlich die der Liebe und die der Macht gibt. Es liegt auf der Hand, welchen Weg unsere Gesellschaft eingeschlagen hat. Eine fatale Miskonzeption ist, den pathologischen Narzissmus mit übermäßiger Selbstliebe gleichzusetzen, da ein Mensch der nie gelernt hat sich selbst zu spüren, nicht lieben kann. Der Narzisst ist in seinem Erleben gestört, lediglich eine schöne Hülle, leer hinter seiner Maskerade, gefangen in einem goldenen Käfig der ihm schon als Kind geschaffen worden ist. Er ist ein einsamer Bettler, angewiesen auf die Almosen anderer, eine traurige Kreatur, für die kaum jemand bereit ist Mitleid zu empfinden. Er hat nicht gelernt Intimität zuzulassen, Nähe und Verbundenheit zu anderen Menschen stellen für ihn daher eine Bedrohung dar.