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Medialer „Konsum“ - Was sagt die Entwicklungspsychologie und die Neuropsychologie dazu?

27.1.2018
Konsumierte Filme, Spiele und die Dauer des Surfens im Internet sollten dem Entwicklungsstand des Kindes entsprechen. Babys unter drei Jahren regelmäßig vor den Bildschirm zu setzen ist fahrlässig und schadet schier der Gehirnentwicklung des Kindes, da es zur gesunden Entwicklung sinnliche Erfahrungen machen, die Welt „begreifen“ muss, was mit der Beteiligung motorischer Gehirnzentren beim Lernen zu tun hat. Die Zeit, die Kinder mit Medienkonsum verbringen, fehlt schlichtweg, um andere Erfahrungen zu machen, die für die Ausbildung synaptischer Verbindungen notwendig sind. Im Alter von unter sechs Jahren ist von einer Gesamtmediennutzungszeit von über einer halben Stunde abzuraten. Bei etwas älteren Kindern kann ein frei einteilbares Wochenkontingent von ca. acht Stunden zur Verfügung gestellt werden. Dass Kinder oftmals auch für die Schule recherchieren müssen, ist in der zur Verfügung gestellten Zeit zu berücksichtigen. Unterschätzt wird, dass Kindergehirne für Suchtentwicklung anfälliger sind als die von Erwachsenen. Ihr Gehirn weist noch größere „neuronale Plastizität“, Verformbarkeit, auf. Die Vernetzungen im Gehirn realisieren sich rascher, daher hat auch das Computerspielen einen stärkeren Einfluss auf das Gehirn der Heranwachsenden und kann die typischen Suchtsymptome wie das starke Verlangen nach dem Verhalten eher auslösen. Erwiesenermaßen spielen vergleichbare Prozesse wie bei substanzbezogenen Süchten (Nikotin, Alkohol) eine Rolle. Der Kontrollverlust bei Impulsen sowie Belohnungseffekte sind psychische Mechanismen, die bei der Verhaltenssucht zentral sind. Sie kommen auch beim Computerspielen zum Tragen. Körpereigene Stoffe wie Dopamin, Noradrenalin und Endorphine versetzen den Betroffenen in einen Rauschzustand.