Selbstliebe?! Leichter gesagt als getan!

2. April 2017
“Oh nein! Nicht schon wieder dieser alte Schuh!”, werden jetzt einige genervte Stimmen aus der Selbst-Hilfe Community stöhnen. Zugegeben, das Thema Selbstliebe ist tatsächlich in aller Munde. Zugegeben, es gibt wahrhaftig bereits eine Zillion spiritueller Lehrer, die über nichts anderes mehr schwafeln. Und zugegeben- ein bisschen zum Hals raushängen darf einem dieses Thema mittlerweile schon. Wenn auch dir gerade der Dampf aus den Ohren steigt, weil du die selbe, monotone Leier nicht mehr hören kannst, unterziehe dich bitte einem kurzen Reality-Check.
Wie gut gelingt es dir wirklich dich selbst mit all deinen Macken und Eigenheiten anzunehmen? Liebst du dich trotz grauer Haare und Speckröllchen auf den Hüften? Oder stehst du oft kritisch vor dem Spiegel und findest nur selten ein nettes Wort um dich zu beschreiben? Kannst du guten Gewissens behaupten, dir selbst dein bester Freund zu sein? Achtest du täglich auf deine Gefühle, Gedanken und Bedürfnisse? Pflegst du einen liebevollen Umgang mit dir selbst? Vermeidest du konsequent Situationen die dir schaden? Fällt es dir leicht Grenzen zu setzen und NEIN zu sagen, wenn du etwas nicht willst? Na…hast du es wirklich nicht mehr nötig dich mit diesem Thema zu beschäftigen?
Über Selbstliebe zu reden und Bücher darüber zu lesen ist einfach. “Du must dich nur selber lieben!”, ist eine Binsenweisheit die mittlerweile jedem schon einmal ans Ohr gedrungen ist. Auf die Frage:” Danke recht herzlich, aber wie soll ich das bitte anstellen?”, bekommt man dann selten eine befriedigende Antwort. Selbstliebe ist für viele Suchenden ein sagenumwobener, mystischer Zustand, der genau so viel Realitätsbezug mit sich bringt, wie Regenbogen-pupsende Einhörner und rosarote in Zuckerwatte verpackte Elefanten. Der Begriff „Selbstliebe“ wird zum Luftschloss am Ende der Bohnenstange, zum Eldorado der Pech-Maries, zum Lebenselexir der Sehnsüchtler auserkoren.
Es tut mir Leid eure Illusionen zerstören zu müssen, doch Selbstliebe ist kein Ziel, sondern eine Reise, eine Entscheidung zwischen Liebe und Angst, die wir in jeder Sekunde aufs Neue treffen müssen. Entscheiden wir uns für den Glauben zu gewinnen oder zu verlieren? Uns wertvoll oder wertlos zu fühlen? Uns mit allem was wir sind anzunehmen oder abzulehnen? Erlauben wir es uns, die Hände nach den Sternen auszustrecken und über die Unendlichkeit hinaus zu wachsen, oder machen wir uns lieber klein wie ein Staubkorn, und verkrümeln uns in einem Mauseloch um uns dort, gehüllt in eine trügerische Illusion, vor einer bedrohlichen Welt zu verstecken?
Hast du schon einmal versucht vor deinen eigenen Schatten davon zu laufen?
Sie sind schnelle, widerspenstige Schreckgestalten, die dir immer dicht auf der Ferse sind, egal wie schnell du läufst, in einem hoffnungslosen Rennen das niemals ein Ende findet. Wahre Transformation kann nur geschehen, wenn man stehen bleibt und in den Spiegel blickt, um dort sein eigenes verängstigtes Gesicht zu erkennen, das seinen Ausdruck verändert sobald man ihm ein mitfühlendes, zärtliches Lächeln schenkt.